Wärmepumpen-Ratgeber

Vorlauftemperatur der Wärmepumpe: Reichen meine alten Heizkörper?

Luft-Wärmepumpe neben einem Klinker-Einfamilienhaus, daneben ein großer Heizkörper unter dem Fenster

Die häufigste Frage vor einem Heizungstausch lautet: Brauche ich für eine Wärmepumpe zwingend eine Fußbodenheizung? Die kurze Antwort ist nein. Entscheidend ist die Vorlauftemperatur, mit der Ihr Haus an den kältesten Tagen auskommt. Bleibt sie niedrig, arbeitet die Wärmepumpe sparsam. Werden Ihre vorhandenen Heizkörper dabei warm genug, lassen sie sich in vielen Fällen weiter nutzen.

Dieser Beitrag zeigt, welche Vorlauftemperaturen realistisch sind, wie Sie mit einem einfachen Test schon vor dem Umstieg prüfen, ob Ihre Heizflächen ausreichen, und welche Nachrüstungen sich im typischen Rheinland-Bestand lohnen.

Warum die Vorlauftemperatur über den Stromverbrauch entscheidet

Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des Heizwassers, das die Wärmepumpe zu den Heizflächen schickt. Je höher sie liegt, desto mehr Strom braucht das Gerät für dieselbe Wärmemenge. Als Faustwert gilt: Jedes Grad weniger Vorlauftemperatur senkt den Stromverbrauch um rund 2 bis 2,5 Prozent. Über eine ganze Heizsaison summiert sich das spürbar auf der Stromrechnung.

Moderne Luft-Wärmepumpen schaffen technisch Vorlauftemperaturen von 55 bis 70 Grad. Wirtschaftlich wird der Betrieb aber vor allem unterhalb von etwa 50 bis 55 Grad. Grob gilt für den Bestand: Ein saniertes Haus mit gedämmter Fassade und neuen Fenstern kommt häufig mit 40 bis 55 Grad aus. Ein unsanierter Altbau verlangt an kalten Tagen oft mehr als 60 Grad. In diesem Fall lohnt sich vor dem Tausch ein genauerer Blick auf die Heizflächen.

Der 55-Grad-Test: Heizkörper vor dem Umstieg prüfen

Sie müssen nicht raten. Mit Ihrer bestehenden Gas- oder Ölheizung lässt sich der spätere Wärmepumpen-Betrieb an einem kalten Wintertag realistisch simulieren:

Werden die Zimmer auch bei 55 Grad angenehm warm, sind Ihre Heizflächen groß genug für eine Wärmepumpe. Bleibt ein einzelner Raum kühl, ist meist nur dort ein Heizkörper zu klein. Das ist kein Grund, das ganze Projekt abzuschreiben.

Wichtig ist dabei der Unterschied zwischen Auslegung und Alltag: Die höchste Vorlauftemperatur wird nur an wenigen sehr kalten Tagen im Jahr benötigt. Im Rheinland liegt die Auslegungstemperatur nach Norm bei etwa minus 8 bis minus 10 Grad, ein Wert, der pro Jahr nur an einzelnen Tagen erreicht wird. An den meisten Heiztagen läuft die Wärmepumpe deutlich darunter und damit sparsamer. Genau deshalb lohnt es sich, die Heizkurve eng an das reale Bedürfnis des Hauses anzupassen statt sie pauschal hoch einzustellen.

Wenn ein Heizkörper zu klein ist: Optionen im Bestand

Die Wärmeleistung eines Heizkörpers hängt stark von der Temperaturdifferenz zum Raum ab. Ein klassischer Radiator, der einst für 70 Grad ausgelegt wurde, gibt bei 35 Grad nur noch etwa 30 bis 40 Prozent seiner Nennleistung ab. Für den Wärmepumpen-Betrieb wird die Heizfläche daher oft um 50 bis 100 Prozent vergrößert. Dafür gibt es mehrere Wege:

Was der Fraunhofer-Feldtest für den Altbau zeigt

Dass Heizkörper und Wärmepumpe zusammenpassen, belegt der Feldtest „WP-QS im Bestand“ des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE), veröffentlicht im November 2025. Über vier Jahre vermaßen die Forscher 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern, davon 61 Luft-Wärmepumpen. Die Ergebnisse:

Für den typischen Rheinland-Bestand, etwa die Klinkerhäuser der 1960er- bis 1980er-Jahre in Köln, Bonn oder im Rhein-Erft-Kreis, heißt das: Ein Umstieg ist realistisch, sobald die Heizflächen stimmen. Wer konkret plant, findet über Wärmepumpen Rheinland geprüfte Fachbetriebe, die vorab die Heizlast und die nötige Vorlauftemperatur berechnen. Für die Wärmepumpe im Kreis Düren und die übrigen Kreise der Region gelten dabei dieselben Grundregeln.

Die Wärmepumpe selbst wird über die KfW-Heizungsförderung (Produkt 458) mit mindestens 30 Prozent der förderfähigen Kosten bezuschusst, in der Summe sind bis zu 80 Prozent möglich (Konditionen seit dem 21. Juli 2026). Wie viel in Ihrem Fall zusammenkommt, überschlagen Sie vorab mit dem Förder-Rechner.

Häufige Fragen

Brauche ich für eine Wärmepumpe eine Fußbodenheizung?

Nein. Ausreichend große Heizkörper genügen, wenn sie den Raum bei etwa 50 bis 55 Grad Vorlauftemperatur warm halten. Der Fraunhofer-Feldtest zeigt, dass gut ausgelegte Heizkörper im Schnitt ähnlich effizient laufen wie eine Flächenheizung.

Woran erkenne ich, ob meine Heizkörper zu klein sind?

Am einfachsten mit dem 55-Grad-Test: die vorhandene Heizung an einem kalten Tag auf höchstens 55 Grad Vorlauf stellen und die Thermostate auf Stufe 3 drehen. Bleiben einzelne Räume kühl, sind dort die Heizflächen zu knapp bemessen.

Was kostet der Austausch einzelner Heizkörper?

Je nach Typ und Montageaufwand reicht die Spanne von einigen hundert bis rund tausend Euro pro Heizkörper. Häufig genügt der Tausch von zwei oder drei Geräten statt einer kompletten Umrüstung. Eine belastbare Zahl liefert allerdings erst das Angebot nach einer Besichtigung vor Ort.

Ob Ihre vorhandenen Heizkörper reichen, klärt am zuverlässigsten eine Heizlastberechnung vor Ort. Eine kostenlose und unverbindliche Ersteinschätzung samt Angebot erhalten Sie über waermepumpen-rheinland.de. Als unabhängiger Vermittler bringen wir Sie mit geprüften Fachbetrieben aus Ihrer Region zusammen.

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